Weblog - Thema: Chapada Diamantina und Bahia

30.04.-08.05.2004: Urlaub in Bahia
In der ersten Maiwoche finden traditionell keine Vorlesungen oder Übungen an der Universität statt. Aus diesem Grund beschlossen ein Kommilitone und ich, in den Urlaub zu fliegen. Ziel war das Bundesland Bahia nordöstlich von Minas Gerais. Los ging es Ende April mit dem Bus nach São Paulo, und von dort via Taxi zum Inlandsflughafen Congonhas. Dann brachte uns ein Flieger nach Belo Horizonte, der Hauptstadt von Minas, und von dort nach Salvador da Bahia. Die Landung erfolgte von der Atlantikküste aus, was ein sehr schönes Bild ergab. Nachdem wir uns mit einem klassisch-bahianischen Abendbrot (Caruru) sowie einem Kinobesuch im zentralen Einkaufspalast nahe der Rodoviária (Paixão de Christo) die Zeit totgeschlagen hatten, fuhr kurz vor Mitternacht der Überlandbus nach Lençois, dem "Eingangstor zur Chapada Diamantina". Selbiges ist ein kilometerlanger Gebirgszug, welcher teilweise zum Nationalpark erklärt wurde.
01.05.2004: Lençois
Am nächsten Tag kamen wir also früh am Morgen in Lençois an, wo schon die Herbergsväter und -mütter um die Gunst der Businsasses warben. Wir entschieden uns für die Pousada PousAlegre, was wir nicht bereuten. Außerdem klingt es recht ähnlich zu Pouso Alegre, der nächsten größeren Stadt in der Nähe von Itajubá :-)
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Die Stadt hat 4000 Einwohner, jeder kennt jeden, und fast jeder lebt vom Tourismus. Die Vergangenheit als französische Diamentensucher-Stadt ist nur noch ansatzweise z.B. an der Architektur einiger Häuser zu erkennen. Das Zentrum bilden zwei Marktplätze, von denen der eine von einer Brücke über den Fluß sowie die Stadthalle begrenzt ist. In dieser finden abends Veranstaltungen statt, wie beispielsweise Capoeira-Vorführungen, also afro-brasilianische Kampfsporttänze.
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02.-04.05.2004: Bergwanderung in der Chapada Diamantina
Zusammen mit zwei anderen Deutschen, die wir eher zufällig am Vorabend im Internetcafé kennengelernt haben, sowie unserem Wanderführer (Guia Jualdo), machten wir uns am nächsten Tag auf zu einer nicht unbedingt erholsamen 3-Tage-Wanderung durch den Norden der Chapada. Jeder trug dabei einen Rucksack mit Schlafsack sowie Proviant für die 3 Tage und einer Wasserflasche, die man an einigen Gebirgsflüssen wieder auffüllen konnte. Am ersten Wasserfall angekommen, haben wir uns erstmal von der Hitze erfrischt. Ich selbst bin gleich mitsamt aller Habe in den Wasserfall geraten, was so nicht geplant war, aber von ein paar Wunden abgesehen ist zum Glück nicht viel passiert.
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Der erste Tag war vor allem durch den Aufstieg gekennzeichnet, der durch unterschiedlichste Landschaften führte, über Steinflächen mit Kakteen und kleinen Leguanen, durch Farnwälder mit Spinnen und Echsen, und durch schlammige Erde gepaart mit distelähnlichen Gewächsen. Abends kamen wir dann an einem anderen Wasserfall an, schwammen ein wenig im See, und kletterten dann die Felsen hinauf, um in einer Felsspalte unser Nachtlager aufzuschlagen.
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Von dort aus haben wir den Mond und die Sterne beobachtet, sowie eine warme Mahlzeit zu uns genommen. Es gab allgemein immer recht viel zu essen: tropische Früchte und Säfte, getrocknete Banenen, Brötchen mit Käse und Wurst, Milchreis und Cerealien, Reis und schwarze Bohnen, Fleisch und Speck, Äpfel, Kekse mit und ohne Schokolade, Waffeln, ...
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Der 2. Tag führte entlang des Flußlaufes bis zum nächsthöheren Wasserfall, welcher gerade mal anderthalb Stunden entfernt lag. Dort ließen wir unsere Ausrüstung liegen, bauten ein provisorisches Lager, und wanderten in Richtung Fumaça, dem größten Wasserfall. Nach zwei Stunden kamen wir an dessen Fuß an und verbrachten einige Zeit auf den Steinplatten, die sich um den See befanden, in den das Wasser stürzte. Trotz der Kühle im Tal, welches keine Sonne kannte, wagten sich einige sogar durch die Dornhecken zum Baden. Anschließend liefen wir wieder zurück zum Lager. Dort warteten schon die beiden anderen Gruppen, die und sporadisch auch am Tag zuvor über den Weg liefen: Puma, ein karibischer Typ mit 4 Jungs sowie einem weiteren lokalen Führer, und ein anderer mit 3 Leuten.
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Am nächsten Morgen liefen wir weiter nach oben, direkt am Berghang entlang, während es ununterbrochen regnete und somit die Steine sowie die Erde sehr rutschig waren. Erst als diese erste Phase der Wanderung mit dem Erreichen des Plateaus zuende war, hörte es auf zu regnen. Nach ein paar weiteren Kilometern waren wir dann endlich am Ziel: Wir waren oben am Wasserfall Fumaça angelangt, welcher mit 420 Metern Höhe der höchste brasilianische Wasserfall ist.
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Den Wasserfall im Ganzen zu fotografieren ist nahezu unmöglich. Man muß sich auf einer hervorstehenden Felsenplatte an die Klippe heranziehen und dann vorsichtig herumschauen. Neben den ab und zu stattfindenden Fällen von Suizid soll es auch einmal einen Franzosen gegeben haben, der durch dieses Naturschauspiel derart fasziniert war, daß er seine Augen nicht mehr vom Sucher der Kamera lösen konnte, und sein nächster Schritt nach vorn sein letzter war...
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Von diesem Punkt aus ging es langsam aber sicher zum Abstieg über. Dabei hatte man nochmal einen wundervollen Blick über das Tal, unter anderem auf den höchsten Berg, den Morrão, welcher oben breiter ist als unten, und damit sehr schwer zugänglich ist. Teilweise war der Weg sehr einfach, teilweise mußten wir durch Gewässer waten oder rundgeschliffene Steinpisten hinablaufen.
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Unten angekommen, gönnte ich mir erstmal ein Bierchen, bevor es dann zu zwölft in einem geräumigen Jeep in Richtung Lençois ging, während eine Mondfinsternis stattfand und die Lautsprecher Bob Marley- Klänge ausstrahlten. Die Fahrtstrecke betrug etwa 50 Kilometer, da der Nationalpark umfahren werden mußte.
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06.05.2004: Besichtigung der Gegend nördlich der Chapada
Nach einem Tag Pause, welcher allerdings nicht ganz zur Heilung sämtlicher zugezogener Wunden reichte, ließen wir uns von einem anderen Führer (Derba) abholen und machten einen Tag lang eine Tour im Auto. Zuerst ging es zum Pai Inacio, einem Berg, welcher durch einen sich versteckenden Sklaven berühmt geworden ist. Dieser täuschte einen Sprung vom Berg vor, landete aber in Wirklichkeit auf einem kleinen Felsvorsprung, und konnte damit die Kolonialtruppen fortlocken.
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Anschließend fuhren wir zu ein paar Grotten, von denen die Gruta Lapa Doce den Anfang machte. Sie befindet sich in etwa 70 Meter Tiefe, ist nahezu einen Kilometer lang, und sehr geräumig, man könnte theoretisch mit einem LKW durchfahren. Stattdessen gingen wir zu Fuß mit einer Petroleum-Lampe.
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Es folgten die Gruta Azul (blaue Grotte) sowie eine andere, welche auf Wasserspiegelhöhe lagen und durch einen Schacht miteinander verbunden waren. Dort gibt es blinde Fische und andere Spezies. Das Schnorcheln überließen wir anderen und fuhren stattdessen zu einem anderem Wasserfall, dem Cachoeira do Diablo, um uns abzukühlen und anschließend ein paar Papageien und einem kleinen Langschwanz-Affen zu begegnen. Am späten Nachmittag kehrten wir wieder nach Lençois zurück, wo wir uns noch einen Açai gönnten, und anschließend wieder über Nacht nach Salvador fuhren.
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07.05.2004: Salvador und Praia do Forte an der Atlantikküste
Salvador hat über 2 Millionen Einwohner, welche in Hochhäusern oder bunt bemalten einfachen Häusern wohnen. Hier ist der afrikanische Einfluß besonders zu spüren. In den Straßen tanzen die Leute zu allen möglichen Arten von Musik, die Frauen tragen Kopftücher und transportieren darauf Waren. Da ich aber im September genügend Zeit für die Stadt haben werde, ging es am Nachmittag gleich weiter, in den Norden etwa 50 Kilometer die Atlantikküste hinauf.
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Dort befindet sich der Praia do Forte, ein wundervoll ruhiger Strand auf der einen Seite, viele Touristen auf der anderen Seite der Landzunge. Nach einer kurzen Abkühlung im Atlantik, welche leider durch die abends zu stark werdenden Wellen abgekürzt wurde, ging es auch schon wieder zurück nach Salvador. Am nächsten Tag, meinem Geburtstag, brachte uns ein Taxi zum Flughafen, und drei Stunden später waren wir bereits wieder in São Paulo. Nach weiteren 5 Stunden Busfahrt kamen wir in Itajubá an, welches zwar immer noch relativ warm war, im Vergleich zu Bahia aber dennoch recht frisch.
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