Weblog - Thema: FISL5
- 02.06.-05.06.2004: Quinto Fórum Internacional do Software Livre
-
Für 4 Tage hat die PUCRS (Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul) die
Räumlichkeiten für das Fünfte Internationale Forum für Freie Software zur Verfügung
gestellt. Das dafür verwendete Gebäude der Universität ist sehr modern mit Rolltreppen,
Fahrstühlen, Geschäften, einem Restaurant, einem Museum für Wissenschaft und Technologie
und einem Parkhaus ausgestattet.
Etwa 5000 Besucher kamen zum Forum, darunter nahezu alle Debconf-Teilnehmer, sowie Menschen
aus 35 Ländern und Vertreter von allen 27 brasilianischen Staaten aus über 380 Städten.
Dazu kamen etwa 300 Vortragende, bis zu 7 Vorträge liefen parallel.
Desweiteren gab es noch eine Menge Aussteller und Community-Projektstände, Pressevertreter
und Konferenzhelfer.
Der erste Tag war Gruppierungen gewidmet, die dieses Forum für ihre Veranstaltungen nutzen
wollten. Die offizielle Eröffnung fand demnach am zweiten Tag statt. Neben etlichen selbst
erstellten Videos über die Hackerkultur mit Interviews und Animationen wurde dann die
Nationalhymne eingespielt, wobei das Video dazu regional verwendete Musikinstrumente aus
allen Teilen Brasiliens zeigte.
Etwa 20 Personen bildeten das Eröffnungs-Panel. Darunter waren der Rektor der Universität,
der Bürgermeister von Porto Alegre, der Gouverneur von Rio Grande do Sul, Vertreter von etlichen
Ministerien, sowie Abgesandte des peruanischen Nationalkongresses, der UNESCO und des
Senats.
Der erste Vortrag wurde dann von Martin Konold ebenfalls im grossen Saal gehalten, über die
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von KDE. Vom Projekt waren neben mir noch Hélio Chissini
de Castro und Gustavo Boiko anwesend, auch Till Kamppeter war mit von der Partie.
Am Stand von KDE trafen wir noch auf Lisiane Stoltz, Roberto Teixeira und später noch
auf Thiago Maceira.
Neben uns waren noch die GNOME-Leute am 4-teiligen Stand, wobei dort fast nie jemand anwesend
war, sowie die Conectiva-Community (CCL-BR).
Andere ausstellende Projekte waren LinuxChix, welche neben PSL-Mulheres (Mulheres do Projeto
Software Livre) den Frauenanteil etwas anhoben, Minas Livre, Software Libre Argentina
und Software Libre Uruguay (jeweils spanisch sprechend), Gentoo-BR, Java-Gruppierungen und
weitere.
Von den Firmen und Organisationen war die Universität vertreten, die ihre
Engenharia-Studiengänge vorstellte, die Regierung Brasiliens (Brasil - um país de todos),
die Präfektur von Porto Alegre (PortoWeb), EletroNorte, Telecentros SP,
desweiteren IBM, HP, MySQL, die üblichen Verdächtigen halt...
Das Regierungsprogramm Fome Zero war insofern mit eingebunden, dass die Eintrittskarten nicht
allein gegen Geld zu erwerben waren, sondern auch ein Kilogramm nichtvergängliche Lebensmittel
mit abgegeben werden mussten, was dann entsprechend zentral gesammelt wurde. Über 3 Tonnen
kamen zusammen und wurden anschliessend in den Favelas verteilt.
Für Besucher standen ausreichend viele Surfrechner zur Verfügung. Die meisten Personen
trieben sich aber aber entweder in den Vorträgen herum, oder kamen mit ihren nicht aufhören
wollenden Fragen zu den Projektständen.
Am Abend des zweiten Tages hatten Hélio und Gustavo ihren Vortrag über die Geheimnisse von
KDE, die eigentlich keine Geheimnisse sind, man muss sie nur kennen...
Zur Demonstration nahm Hélio mit seinem Handy ein Foto von den Zuhörern auf, welches fast
im selben Augenblick auf der Leinwand verkleinert auf dem Desktop erschien.
Der Vortrag war auf portugiesisch gehalten, so dass ihn die lokalen Zuhörer sehr gut
verstehen konnten. Wir trafen dann auch auf Huberto, welcher gerade ein vor Jahren erschienenes
Entwicklerbuch nach portugiesisch übersetzt und dabei auch gleich aktualisiert, so dass es
dann einfach nach englisch zurückübersetzt werden kann.
Abends gingen wir in eine Churrascaria. Neben einer Show gab es reichlich Fleisch, Geflügel,
und noch mehr Fleisch, und Wurst, und noch mehr Fleisch.
Auch merkte man dort wieder deutlich, dass Rio Grande do Sul doch nicht so brasilianisch ist
wie die anderen vier Brasiliens... der Einfluss aus Europa (historisch) und die Gaúcho-Kultur
aus Argentinien und Uruguay ist stark zu spüren, im Essen wie in der Musik.
Neben einem weiteren Besuch der Churrascaria gab es auch noch eine kleinere Feier der
Organisatoren, zu der auch einige Vortragende mit eingeladen waren, sowie einen Clubbesuch
im "Barbazul" im Zentrum von Porto Alegre.
Am letzten Tag hatte auch ich noch einen Vortrag im Theater-Saal der Universtität.
Anschliessend ging es ins SESC zurück, wo ich bis 4 Uhr früh aufgeblieben bin, anschliessend
schlaflos ein Taxi bestellt habe, zum Flughafen gekommen bin und dann via Curitiba
ins geliebte São Paulo geflogen wurde. Dann trennten mich nur noch wenige Stunden von Itajubá...